(NW 08.07.2025) Wenn Harz auf Kunstrasen trifft
Featured

(NW 08.07.2025) Wenn Harz auf Kunstrasen trifft

Von Uwe Kramme

Handball: Beim 21. Ems-Cup ist der TV Verl mit sechs Siegerteams der erfolgreichste Verein. Gastgeber Wiedenbrücker TV hat keine Nachwuchssorgen und wächst gegen den Trend.

Rheda-Wiedenbrück. Auch wenn die neue Handballsaison 2025/26 bereits am 1. Juli begonnen hat, der am Wochenende zum 21. Mal ausgespielte Ems-Cup ist für die Ballwerfer des Wiedenbrücker Turnvereins traditionell Höhepunkt und Abschluss des alten Spieljahres, wie Frank Stüker betont. „Dann kommt im Sportzentrum am Burgweg die ganze Abteilung noch einmal zusammen. Es wird auf Rasen oder Kunstrasen gespielt, was für alle ein besonderes Erlebnis, für manchen aber auch eine Herausforderung ist. Danach fängt die Sommerpause an und dann freuen wir uns, dass es wieder los geht.“

Der Leiter der WTV-Handballabteilung macht kein Hehl daraus, dass er sich auf die Serie 2025/26 umso mehr freut, als die von Oliver Westernstroer trainierten Frauen nach anfänglichen Schwierigkeiten ihren Platz in der Bezirksliga behaupten konnten und die von Michael Pilzecker gecoachten Männer (endlich) die Rückkehr in die Kreisliga geschafft haben.

Denn obwohl Stüker und sein Stellvertreter Bobi Binov („Wenn man ehrlich ist, sind wir ein Ausbildungsverein“) betonen, dass Handball im WTV als Breitensport betrieben wird, sind sie stolz auf diese beiden Aushängeschilder und würden nur zu gern dauerhaft über den Kreis Gütersloh hinaus spielende Seniorenteams aufbauen.

„Aber wir haben ja schon oft erfahren, wie schwierig das ist, weil uns regelmäßig Talente am Ende ihrer Schulzeit verlassen oder weil es sie zu höherklassigen Vereinen zieht.“ Stüker stellt diese „Fakten“ umso gelassener fest, als der Wiedenbrücker Handball andererseits bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs stehe. „Wenn man so will, wachsen wir da gegen den Trend.“ Nachwuchssorgen müsse man sich jedenfalls anders als andere Vereine im Kreis Gütersloh nicht machen. „In der neuen Saison sind wir außer bei den A-Jungen und A-Mädchen in allen Altersklassen vertreten und in den unteren sogar mehrfach“, präzisiert Binov. Dank des neuen Jugendausbildungskonzeptes soll der Nachwuchs des WTV auch schon bald wieder um Aufstiege auf die westfälische Ebene spielen.

Abgesehen vom Mixedturnier am Samstag als Einstimmung auf die Abteilungsparty war auch der 21. Ems-Cup dem Jugendhandball vorbehalten. Damit sich die 86 vorwiegend von Vereinen aus dem Kreis Gütersloh kommenden Mannschaften in den elf Altersklassen-Wettbewerben austoben konnten, mussten aber nicht nur zehn Spielfelder (mit Hallenhandballmaßen) abgekreidet und 20 Tore herangeschafft werden. „Zu unserem Schrecken haben wir beim Aufbauen festgestellt, dass wir nicht genug Torabhängungen hatten“, berichtete Stüker. „Aber dank der Firma Voltmann haben wir auch dieses Problem gelöst.“

„Mit diesen in die Querlatte eingehängten Konstruktionen wird das Tor verkleinert. Schließlich kann man ja einen sechs, sieben oder acht Jahre alten Torwart nicht in einem zwei Meter hohen Kasten herumspringen lassen, zumal auch in diesen Altersklassen einige schon einen ordentlichen Wumms haben“, erklärte der Organisationschef. Ansonsten würde natürlich auch auf Wiedenbrücker Rasen nach den in den jeweiligen Altersklassen geltenden DHB-Regeln gespielt. Bei den vier bis sieben Jahre alten Minis war deshalb Manndeckung angesagt und in den älteren Altersklassen eine 1:5-Deckung oder der 3:2:1-Abwehrverband. „Denn erst ab der B-Jugend sind ja alle Abwehrformen erlaubt“, erläuterte Stüker. „Denn die Kids sollen sich bewegen, häufig den Ball bekommen, oft springen, viel werfen und vor allem Spaß haben, gerade bei unserem Turnier.“

Nicht ganz so einfach war für den einen oder anderen jungen Handballer die Umstellung vom total ebenen Hallenboden auf den glatten Rasen, zumal keine Stollenschuhe erlaubt waren. „Den gewohnten Bedingungen am nächsten kommt natürlich der Kunstrasen“, erklärte Kim Sörensen, der Nachwuchsmannschaften des TV Verl und des SV Spexard betreute. „Allerdings bleibt das Granulat an den Bällen kleben, wenn geharzt wird“, kam Binov auf ein heikles Thema in Wiedenbrück zu sprechen. „Denn die Stadt verbietet die Benutzung von Harz in unserer Halle“, berichtet Stüker. „Für unsere Mannschaften ist das ein Nachteil.“

Erfolgreichster Verein beim 21. Ems-Cup war der TV Verl, der die Siegermannschaften in den Altersklassen männliche und weibliche E-Jugend, männliche und weibliche D-Jugend, weibliche C- und weibliche B-Jugend stellte. Der TV Isselhorst gewann das Turnier der männlichen A-Jugend, der SV Spexard setzte sich bei den Anfänger-Minis durch. Weitere Siege gingen an den TV Beckum (Fortgeschrittene Minis), die JSG Steinhagen-Brockhagen (männliche C-Jugend) und an die JSG Energy aus Wetter (männliche B-Jugend). Weil es zu einigen guten Platzierungen gelangt hatte, waren Frank Stüker und Bobi Binov mit dem Auftreten der 15 WTV-Teams auch deshalb „rundum zufrieden“.