Von Stefan Herzog
Verl (gl). Das bittere Finale mit der im letzten Saisonspiel verlorenen Meisterschaft haben die Oberligahandballerinnen des TV Verl ganz offensichtlich verarbeitet: „Natürlich hatten wir Meister-Shirts vorbereitet", berichtet Trainer Matthias Foede. Schließlich war sein Team als Tabellenführer zum letzten Spiel gegen die SpVg Hesselteich-Siedinghausen nach Versmold gereist. Das ging allerdings verloren, und deshalb bejubelte im Mai der punktgleiche Konkurrent FC Vorwärts Wettringen dank des gewonnenen direkten Vergleichs den Aufstieg in die Regionalliga.
Doch die Verlerinnen hatten eine grandiose Rückrunde gespielt, zahlreiche verletzungsbedingte Ausfalle dank Unterstützung aus der zweiten Mannschaft und A-Jugend kompensiert und sieben Partien in Serie gewonnen - bis eben auf das letzte. Weil alle nach der ersten riesigen Enttäuschung aber genau auf diese angesichts der Umstände ja dennoch sehr erfolgreiche Rückrunde sehr stolz waren, wurden die Shirts nochmal zum Beflocker gebracht. Dort wurde das Wort Meister mit „Vize" ergänzt. „Alle tragen die Shirts mit erhobenen Köpfen regelmäßig im Training", sagt Foede.
Apropos Training. Es wurde nach der Enttäuschung quasi bis Pfingsten durchtrainiert, erst dann folgte eine Pause. „Das hat uns als Gruppe enger zusammengebracht", sieht der Trainer den Kader für die am 5. September beginnende Serie 25/26 arbeitet, nicht nur motiviert, sondern auch gefestigt. Foede: „Wir sind unter ganz schwierigen Umständen Zweiter geworden, und das ist alle Ehren wert." Personell zu verkraften galt es, die Abgänge von Carlotta Busert (zu Regionalligist TG Hörste) und Karoline Scheck (lässt es beim TuS Brockhagen Il ruhiger angehen).
Beide hatten viele Spielanteile und Führungsrollen und werden nun vereinsintern durch die aus der A-Jugend hochrückenden Kim Hollmann (Linksaußen, Kreis) und Madeline Brummel (Mitte) ersetzt. Letztgenannte verbringt allerdings ab September ein halbes Jahr im Ausland. Externer Neuzugang ist die auf allen Rückraumpositionen einsetzbare Sina Brüntrup aus der A-Jugend des Tus 97 Bielefeld-Jöllenbeck.
Ziel und damit auch die größte Aufgabe für das Trainerteam Matthias Foede/Timon Kreft ist, die Leistung der Rückrunde unter nun „normalen" personellen Voraussetzungen zu wiederholen. Denn mittlerweile sind fast alle Spielerinnen, die aufgrund langwieriger Finger- und Hand-, aber auch Sprunggelenksverletzungen gefehlt hatten, wieder an Bord. Weil weiterhin gemeinsam mit zweiter Mannschaft und A-Jugend trainiert wird, hat Foede nun quasi aus einem Pool von 25 bis 30 Handballerinnen die Möglichkeit, den jeweiligen Spieltagskader aktuell nach Form aufzustellen. „Es kann also durchaus sein, dass eine, die nominell zum Stammkader der ersten Mannschaft gehört, mal nicht zum 16er-Aufgebot für das kommende Spiel zählt", hofft der Trainer auf einen „gesunden internen Konkurrenzkampf".


