Von unserem Redaktionsmitglied
Stefan Herzog

Verl (gl). Ein Torwart muss erstens schon ein wenig bekloppt sein und ein vor Selbstvertrauen strotzender Egomane noch dazu. Was man oft den Fußball-Schlussmännern nachsagt (Toni Schumacher, Jens Lehmann und Olli Kahn lassen grüßen), trifft genauso auf den Handball zu. Kann zutreffen, muss aber nicht. Denn Mareen Stüker, die nach 23 aktiven Jahren zum Ende dieser Saison das Tor des Oberligisten des TV Verl verlassen und ihre Laufbahn beendet hat, ist eine eher zurückhaltende, selbstkritische und aufs Team bedachte Torfrau – die dennoch erfolgreich war und sieben Jahre in der dritthöchsten Liga und ansonsten in der Oberliga gespielt hat.

Schon die Frage nach dem „Warum ins Tor?“ zeigt viel über die bescheidene, zumeist kritische Selbsteinschätzung der 33-Jährigen: „Ich war im Feld ziemlich talentfrei. Und als die Torfrau mal nicht da war, bin ich rein. Das hat dann besser geklappt, als viele erwartet haben.“ Obwohl sie zu ihren sportlichen Anfängen als rhythmische Sportgymnastin nicht mit Gelenkigkeit glänzte, blieb Stüker im Tor und schaffte später auch den Spagat, den ihr bei der RSG das Weitermachen noch verleidet hatte.



Springen wir jetzt gleich mal vom Anfang der Keeper-Karriere bis zum Ende. Mareen Stüker hat die Handschuhe (die es im Handball ja gar nicht gibt) zu einem maßgeblichen Grund an den Nagel gehängt, weil sie in den vergangenen zwei Jahren alleinige Torfrau im Kader war. Was für Alphatiere à la Kahn ein paradiesischer Zustand sein muss, war für „Keks“ eine Belastung: „Ich wollte keine Saison als alleinige Torfrau mehr spielen, konnte die Mannschaft aber auch nicht im Stich lassen, weil es keine Nachfolgerin gab “, beschrieb Stüker ihr Dilemma. Denn zum einem ist für die Verlerin der Austausch mit einer zweiten Torfrau („Ich hatte kein Torhüterteam, keine Leidensgenossin“) während des Spiels enorm wichtig. „Wenn man kurz zur Bank kommt, und da ganz einfache Tipps bekommt, das hilft sehr.“

Zum anderen hat Stüker gesundheitliche Probleme nie komplett auskurieren könne. So macht ihr bereits seit Monaten eine Erkältung zu schaffen. Vor allem aber eine wieder aufgebrochene Muskelverletzung im Oberschenkel sorgte bis zuletzt für Beschwerden. „Man kann die Bewegung im Tor ja nicht dosieren. Das hat im zweiten Jahr viel Kraft gekostet“, erläutert Stüker ihren engültigen Entschluss, nun aufzuhören, obwohl noch keine Torfrau für die neue Saison da ist.

Dass Stüker übrigens in der Sporthalle nur „Keks“ genannt wird, liegt daran, dass sie als junge Spielerin ab und an ein gelbes T-Shirt mit einem aufgedruckten Butterkeks trug.



Jetzt lockt der Hamburg-Halbmarathon

Verl (zog). Ihre schönste Zeit erlebte die 33-Jährige, die mit zehn Jahren im TV Verl begonnen hatte, in ihren sechs Jahren beim Drittligisten Union Halle – auch weil sie da von Torwarttrainer Niko Ewert „noch unglaublich viel“ gelernt hat.

„Das waren schöne Bus-Rückfahrten von Leipzig oder Frankfurt/Oder zurück nach Halle – vor allem nach Siegen“, schwärmt Mareen Stüker, die an Niederlagen allerdings immer zu knapsen hatte: „Ich hatte diesen Knopf nicht, auf den man drücken und alles abhaken konnte.“ Der Start in die dritte Liga war schwierig, weil sich die damals 25-Jährige gleich das Kreuzband gerissen hatte. Doch erst einmal und auch für länger auf der Bank zu sitzen, damit hatte die Bankkauffrau kein Problem: „Wer leistungsorientiert spielt, muss akzeptieren, wenn andere mal besser sind und dass ein Trainer seine Gründe hat, mich nicht einzusetzen“, schreibt sie jüngeren Spielerinnen Geduld ins Stammbuch.

„Ich bin als B-Jugendliche in den Kader der ersten Verler Mannschaft gerückt. Da war mir klar, dass ich erst einmal nicht viel spielen würde.“ 60 Minuten auf der Bank, das kann Torwarten schnell passieren: „Das ist auch okay, wenn das Team funktioniert – obwohl sich das bestimmt doof anhört von jemand, der zwei Jahre lang durchgespielt hat.“ Zum selbst reflektierenden Charakterzug passt Stükers Ablehnung der Wertung Nummer eins und zwei: „Es hängt doch auch vom Torwarttyp und der Abwehrformation ab, wen der Trainer aufstellt.“

Neue sportliche Ziele hat die studierte Bankerin längst gefasst – wenn der Oberschenkel hält. So wird Stüker am 30. Juni beim Hamburg-Halbmarathon am Start stehen und versuchen, ihre Zeit von 2018 (2:09 Stunden) zu unterbieten. „Beim Laufen kann ich die Belastung besser dosieren, ich habe die Sprünge nicht und muss das Bein nicht mehr hochreißen“, liebäugelt die ehemalige Torfrau auch mit dem Hermannslauf 2020.

Ob sie mal als Trainerin zurückkehrt? „Ich weiß nicht, ob mein taktisches Spielverständnis ausreicht“, zweifelt sie. Aber als Torwarttrainerin könnte sie sich durchaus vorstellen, wieder in der Halle aktiv zu sein. „Es war eine geile Zeit“, freut sich Mareen Stüker aber nun auf mehr Freiheit bei der Urlaubsplanung und spontane Wochenendbesuche.

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